Was macht eigentlich .. Inklusion fängt bei Kleidung an?

Die Schneiderin Claudia Deuser fertigt Kleidung für Menschen mit Behinderungen und speziellen Bedürfnissen. Für das Projekt Inklusion fängt bei Kleidung an erhielt sie 2016 eine Anerkennung des Kreativsonar.

Das Kreativsonar hat in 3 Jahren insgesamt 29 kreative Unternehmen prämiert. In unserer Beitragsreihe »Was macht eigentlich .. ?« fragen wir nach, wie es den Gewinnern seit dem ergangen ist. Heute sprechen wir mit Claudia Deuser, Erfinderin von Inklusion fängt bei Kleidung an.

Wieviel hat dir der Gewinn des Kreativsonar gebracht?

Der Kreativsonar hat mir sehr viel gebracht.
Ich habe auch viel positive Resonanz bekommen; Interviewanfragen vom SWR und der Zeitung. Die Handwerkskammer Koblenz und eine Filmfirma waren auch sehr interessiert, aber ich habe alles abgeblockt.

Denn ich habe innerhalb kürzester Zeit gespürt, dass eine gute, innovative Idee mehr braucht als eine Person voller Motivation. Je mehr Lob ich für mein geplantes Projekt bekam, desto kleiner fühlte ich mich. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kinden hat mich die Vorstellung den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen einfach überfordert. Mit der Verantwortung eine Familie finanzieren zu müssen fällt einem das risikofreudige Handeln eher schwer.
Ich bin aber auf jeden Fall froh beim Kreativsonar mitgemacht zu haben und kann es jedem nur empfehlen!

Hat sich alles so entwickelt, wie du es dir gewünscht hast?

Nicht unbedingt. Aber ich habe das Projekt nicht aufgegeben, sondern erstmal auf die Seite gelegt.
Ich dachte: Fängste einfach klein an, änderst 20 Kleidungsstücke für die verschiedensten körperlichen Handycaps, fotografierst es und bringst später ein »Do it yourself«Buch raus.

Magnetenverschluss statt herkömmlichen Knöpfen und ein kunstfertig gekürzter Ärmel. Ein Männerhemd gefertigt von Claudia Deuser.

Ich habe im Juli 2017 meine Vollzeitstelle als Berufseinstiegsbegleiterin gekündigt und bin jetzt endlich dabei meine Ideen zu verwirklichen. Seit dem bin ich wieder sehr kreativ und habe in der Karnevalsaison viele Auftragsarbeiten als Schneiderin entgegengenommen – mit großem positivem Feedback! Aktuell fertige ich für »Die Baubu« Taschen aus Industrieresten wie LKW-Planen, Airbags, Sicherheitsgurten und ähnlichem.

Was planst du noch für die Zukunft?

Ich hab mir die Wortmarke »Anziehungskraft« für den Bereich Taschen eintragen lassen und sitze an einer kleinen Kollektion die ebenfalls ausschließlich aus Industrieabfälle gefertigt werden. Nachhaltigkeit ist bei mir gerade ein großes Thema.

Außerdem mache meinen Ausbildereignungsschein bei der IHK, damit ich mir auf Honorarbasis bei den verschiedenen Bildungsträgern ein zweites Standbein aufbauen kann und mir so den Weg in die Selbstständigkeit ebne.

Inklusion fängt bei Kleidung an ist aber immer noch mein favorisiertes Projekt an dem ich definitiv festhalten werde. Mal schauen, was die Zukunft noch so bringt 🙂