5 Fragen an Marie Petters

Marie Petters ist im kreativzentrum.saar für das Projektmanagement des Kreativsonar verantwortlich und betreut den Wettbewerb im dritten Jahr. Im Interview hat sie uns ein paar Ein- und Ausblicke zum Kreativsonar gegeben.

Das Kreativsonar wurde vor vier Jahren ins Leben gerufen und von Anbeginn durch die Wirtschaftsministerien des Saarlandes und Rheinland-Pfalz gefördert. Warum gibt es das Kreativsonar überhaupt und wie hat sich der Wettbewerb über die Jahre entwickelt?

Wie der Name Kreativsonar schon verrät, will der Wettbewerb Kreativität aufspüren und sichtbar machen. Konkret geht es dabei um Kreativität im wirtschaftlichen Kontext, also um UnternehmerInnen und Projekte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Idee zum Wettbewerb entstand im engen Austausch mit den beiden Wirtschaftsministerien. Diese haben das Potenzial der Kultur- und Kreativwirtschaft schon damals gesehen und wollten es fördern.

Als das Kreativsonar 2015 startete, wurde es nach dem Vorbild des bundesweiten Wettbewerbs ,,Kultur- und Kreativpiloten‘‘ konzipiert. Dieser zeichnet jedes Jahr 16 Unternehmen aus und fördert sie danach mit einem Mentoring-Programm. Das Kreativsonar überträgt diese Idee auf die die saarländische und rheinland-pfälzische Region und soll darüber hinaus zeigen: Großartige Ideen und mutige UnternehmerInnen gibt es auch in Homburg oder Idar-Oberstein und nicht nur in den Großstädten wie Berlin, Köln oder Hamburg.

An der Grundidee ,,Kreative UnternehmerInnen sichtbar machen und fördern‘‘ hat sich seit dem auch nicht viel geändert. Aber wir haben das Coachingprogramm für die Gewinner immer wieder angepasst. Auch die (potentielle) Wirtschaftlichkeit der Projekte rückt immer mehr in unseren Fokus, weshalb wir seit diesem Jahr den Untertitel ,,Creative Business Award‘‘ tragen.

Als Projektmanagerin betreust du das Kreativsonar das ganze Jahr über – von der Ausschreibungsphase bis hin zur Preisverleihung bist du verantwortlich für die Organisation und Kommunikation des Wettbewerbs. Was ist das spannendste an dem gesamten Projekt?

Die Bewerber! Und ich meine damit wirklich alle Bewerber und nicht nur die Gewinner. Da ich ja selbst auch freiberuflich tätig bin, ist es vor allem der Mut dieser Menschen die zu Ihrer Idee stehen, der mich immer wieder beeindruckt. Besonders bei den Auswahlgesprächen wird diese Vielfalt von Ideen und Persönlichkeiten sichtbar. Auch die Jury empfindet das jedes Jahr aufs Neue als spannenden Prozess und sehr inspirierend. Dementsprechend hat sich der Kreativsonar-Slogan seit 2015 auch nicht geändert: „Was wir lieben: Kreative Menschen, die beeindrucken. Tatendrang, der ansteckt. Ideen, die vorantreiben.“

»Es ist auch das Besondere an diesem Wettbewerb, dass die Kürschnermeisterin mit dem 3D-Audio-Spezialisten, und der junge Gründer, frisch von der Uni, mit der erfahrenen Unternehmerin zusammenkommt.«

Du bist schon im dritten Jahr beim Kreativsonar dabei und kennst daher fast alle bisherigen Gewinner von Beginn an. Wie ist es, so viele unterschiedliche Menschen und Projekte zu begleiten – und gibt es etwas, dass alle GewinnerInnen gemeinsam haben?

Es ist immer wieder spannend, sich mit den Projekten und den UnternehmerInnen dahinter auseinander zu setzen. Da gibt es natürlich auch alle Versionen von Typen, manche sind irgendwie so in den Beruf reingestolpert, andere haben ihr Leben lang noch nichts anderes gemacht. Es ist auch das Besondere an diesem Wettbewerb, dass die Kürschnermeisterin mit dem 3D-Audio-Spezialisten, und der junge Gründer, frisch von der Uni, mit der erfahrenen Unternehmerin zusammenkommt.

Und so unterschiedlich sie alle auch sind, die erfolgreichen unter ihnen, haben ein gesundes Selbstbewusstsein. Mit gesund meine ich, sie wissen wo ihre Stärken liegen und stehen zu ihrem Können, lassen aber gleichzeitig Kritik zu und verstehen auch, wo sie sich oder ihr Angebot noch verbessern können. Das gepaart mit Neugier und einem langem Atem, macht gute UnternehmerInnen aus.

Marie Petters und kreativzentrum.saar Geschäftsführerin Michaela Kilper-Beer bei der Kreativsonar-Preisverleihung 2016. (Bild von Stefan Sämmer)

Neben dem Projektmanagement des Kreativsonar bist du freiberuflich als Musikmanagerin bei tätig, gibt es da irgendwelche Berührungspunkte?

Im Musikbereich kümmere ich mich vor allem um Produktmanagement, das heißt, ich betreue Veröffentlichungen von KünstlerInnen und Bands. Rein von den Tätigkeiten her, gibt es da ganz viele Überschneidungen: Organisation, Öffentlichkeitsarbeit, Social-Media-Marketing. Aber die Arbeitsstrukturen und Anforderungen beider Jobs sind sehr unterschiedlich. Das macht die ganze Sache aber auch so interessant.

Jeder Teilmarkt der Kultur- und Kreativwirtschaft – zu dem ja die Musikwirtschaft auch zählt – hat seine speziellen Eigenarten, Bedürfnisse und Funktionsweisen. Ein Filmemacher hat ein ganz anderes Arbeitsumfeld als ein Designer oder ein Architekt. Das macht es auf der einen Seite spannend, aber auf der anderen Seite auch nicht ganz so leicht, mit dem Kreativsonar Akteure aller Teilmärkte anzusprechen.

Ich finde es schön, mal einen Schritt zurücktreten und den ganzen Themenkomplex ,,Kreativwirtschaft‘‘ einheitlicher zu betrachten. Durch die Arbeit im Rahmen des Kreativsonar komme ich außerdem mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammen, vom Politiker bis hin zum eigensinnigen Künstler ist da alles dabei. Das macht Spaß. Und tatsächlich habe ich mit den bisherigen Gewinnern des Kreativsonar, die aus dem Musikbereich kommen auch im Rahmen meiner Selbständigkeit weiterhin engen Kontakt.

Nächstes Jahr wird das Kreativsonar fünf Jahre alt. Wo geht es hin?

Als sich die Politik vor knapp 10 Jahren erstmals intensiv mit der Kultur- und Kreativwirtschaft auseinandergesetzt hat, ging es vor allem darum, diese von anderen Wirtschaftsbranchen abzugrenzen. Im Zuge dessen, wurde die Kultur- und Kreativwirtschaft in 11 Teilmärkte unterteilt. Mittlerweile kann man oft nicht mehr trennen zwischen kreativer und traditioneller Wirtschaft. Und das ist auch gut so, weil es bedeutet, dass die Impulse aus der Kreativwirtschaft auch in andere Wirtschaftsbereiche hineinwirken. Schließlich geht es ja darum, einen Spill-Over-Effekt zu erzeugen und die Tugenden und Arbeitsmuster der Kreativen auf alle Bereiche der Wirtschaft zu übertragen, um diese zukunftsfähiger zu gestalten.

Diesen Fortschritt wollen wir natürlich auch mit dem Wettbewerb abbilden, von daher werden wir uns im nächsten Jahr vermutlich etwas anders positionieren und schauen, wie wir das Kreativsonar an den Markt und die Bedürfnisse der potentiellen Bewerber anpassen können.