»Wir wollen die Kultur- und Kreativwirtschaft sichtbar machen«

Warum gibt es das Kreativsonar überhaupt? Das berichten uns der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing und seine saarländische Kollegin Anke Rehlinger im Interview.

Bitte erzählen Sie doch kurz, was ist das Kreativsonar eigentlich und warum gibt es ihn?

Anke Rehlinger: Mittels Sonar kann man üblicherweise Gegenstände unter Wasser orten, also per Schallwelle Dinge sichtbar machen, die eigentlich im Verborgenen liegen. Genau das ist auch das Ziel des Kreativsonar. Wir möchten das Potenzial der saarländischen und rheinland-pfälzischen Kultur- und Kreativwirtschaft für die Öffentlichkeit sichtbar machen – indem wir es gezielt orten.

Dr. Volker Wissing: Der Wettbewerb ist für uns eine wichtige Maßnahme zur Förderung der Kreativwirtschaft. Das Kreativsonar ist ein Unternehmenswettbewerb, der hervorragende Konzepte, Ideen und Persönlichkeiten der Kultur- und Kreativszene auszeichnet. Somit unterstützt er die Sichtbarkeit und die Effekte dieser Branche.

Der Wettbewerb wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlandes und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz ausgelobt und gefördert. Warum machen die beiden Länder hier gemeinsame Sache?

Dr. Volker Wissing: Gemeinsam ist man stark und es ist immer zielführend, Kräfte zu bündeln. Zudem arbeiten beide Länder bereits erfolgreich im gemeinsamen Vorsitz des Länderarbeitskreises Kultur- und Kreativwirtschaft der Wirtschaftsministerkonferenz zusammen.

Anke Rehlinger: Unsere beiden Länder haben eine lebendige und starke Kultur- und Kreativszene, die aber noch zu wenig Platz in der öffentlichen Wahrnehmung hat. Eine Zusammenarbeit stärkt nicht nur das kreative Potenzial der beiden Länder, sondern bringt den Kreativschaffenden auch wichtige Kontakte über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus. Eine echte Win-Win-Situation für das Saarland und Rheinland-Pfalz.

Das Kreativsonar ist kein klassischer Wettbewerb. Es gibt keinen ersten Platz und statt Geld erhalten die Gewinner ein viermonatiges Coachingprogramm. Warum ist das so?

Dr. Volker Wissing: Es muss in der Tat nicht immer einen ersten Platz oder Geldpreise geben. Mit dem  Kreativsonar soll in erster Linie die Sichtbarkeit der Branche gefördert werden. Daneben wird aber noch ein zweiter Ansatzpunkt verfolgt: Die Stärkung der unternehmerischen Basis unter Berücksichtigung des hohen Informations- und Beratungsbedarfs von kreativen Unternehmern kann viel hilfreicher sein als eine Geldprämie.

Anke Rehlinger: Die Preisträger bekommen im Coachingprogramm – das ja auch Geld kostet –  wertvolle Anregungen wie sie ihr Geschäftsmodell optimieren können, sie bekommen maßgeschneiderte Tipps, die ihre weitere Entwicklung auf den Weg des Erfolgs führt und sie lernen bereits in diesem Stadium, sich zu vernetzen und voneinander zu profitieren. 

Einen klassischen ersten Platz gibt es auch deswegen nicht, weil die unterschiedlichsten Teilmärkte der Kreativwirtschaft am Wettbewerb teilnehmen. Jede Auszeichnung mit dem Kreativsonar ist ein erster Platz.

Gibt es im Zusammenhang mit dem Wettbewerb Erkenntnisse aus den letzten Jahren, die Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben sind?

Anke Rehlinger: Gewinner des Kreativsonar waren zum Beispiel höchst erfolgreich auf der diesjährigen SXSW-Messe in Austin, Texas vertreten. Im letzten Jahr kam es zu einer Kooperation der Gewinner bei der Design- und Fashion-Show Steel-Echt in Neunkirchen.

Dr. Volker Wissing: Die Branche spiegelt in beeindruckender Weise innovatives, lebendiges Unternehmertum wider, insbesondere auch bei Gründern. Der Wettbewerb zeigt die Effekte der Kultur- und Kreativwirtschaft als ein Schlüsselelement der Digitalisierung der Gesamtwirtschaft. Er belegt, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft nicht nur in Ballungsräumen, sondern auch in der Fläche innovative Effekte entfaltet.

 width=Dr. Volker Wissing ist seit 2016 Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie stellvertretender Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz (MWVLW). Er ist promovierter Jurist und war von 2004 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestags. Er ist seit 2013 Mitglied im FDP-Bundespräsidium und seit 2011 Vorsitzender der FDP Rheinland-Pfalz.

 

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Anke Rehlinger ist Juristin und gehört seit 2004 dem saarländischen Landtag an. Sie war von Mai 2012 bis Januar 2014 saarländische Ministerin der Justiz sowie für Umwelt und Verbraucherschutz. Seither ist sie Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlandes (MWAEV). Rehlinger ist verheiratet und hat einen Sohn.

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