»… dass ein solches Verständnis – ja Selbstverständnis – gelebt wird« Prof. Dr. Elmar D. Konrad

Wir gehen auf Stimmenfang – Im Rahmen der Interviewreihe Stimmen wollen wir Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft zu Wort kommen lassen. Ihre Statements beschreiben, hinterfragen und inspirieren. Heute steht uns Prof. Dr. Elmar D. Konrad (iuh – Institut für unternehmerisches Handeln) Rede und Antwort.

Guten Tag, Herr Konrad. Worin sehen Sie zukünftige Herausforderungen der Kultur- und Kreativwirtschaft?

Aufgrund der extremen Kleinteiligkeit der Betriebe und die vielen unterschiedlichen Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft sehe ich die Herausforderung darin, dass sich die kreativen Akteure sich bewusst als Teil einer wichtigen, Trends setzenden und innovativen, wachstumsorientierten Branche begreifen. Es ist meiner Meinung immanent, dass ein solches Verständnis – ja Selbstverständnis – gelebt wird, um z.B. in Fragen von neuen Finanzierungs- und Fördermethoden proaktiv mitgestalten zu können.

Welche Bedeutung hat die Kultur- und Kreativwirtschaft fürs Saarland/Rheinland-Pfalz?

Den Fokus auf Stadtstaaten wie z.B. Berlin, welche nach außen mit ihrer schillernden Creative Class werben, verdeckt, dass gerade auch Länder wie Rheinland-Pfalz und Saarland eine lebendige und vielleicht sogar solidere Kultur- und Kreativwirtschaft besitzen. Gerade bei mir hier in Mainz ist zu beobachten, dass diese Branche boomt und sehr wichtig für die Stadt ist.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist kleinteilig aufgestellt, d.h. setzt sich aus zahlreichen Klein- und Kleinstunternehmen und Freiberuflern zusammen. Wie wichtig sind Netzwerke?

Für mich sind Netzwerke allgemein aber im Besonderen für die kultur- und kreativwirtschaftlichen Akteure immanent. Gute Kontakte und richtiges Netzwerken können Barrieren überwinden, Wettbewerbsvorteile bieten und Synergieeffekte schaffen. Das kann von informellen Individualbeziehungen bis zu institutionelle Lobbyarbeit reichen, was man mittlerweile durchaus z.B. in den Kreativquartieren sieht.

Was bedeutet für Sie Kreativität?

Als klassischer Wirtschaftswissenschaftler erlaube ich mir nicht, den Kreativen Kreativität zu erklären. Aber von unternehmerischer Seite gibt es eine schöne Definition von Bygrave und Hofer, die sinngemäß sagt, dass unternehmerisch denkende Menschen Personen sind, die Chancen erkennen und sich jeweils die Organisationen schaffen – und ich möchte ergänzen, sich Ressourcen beschaffen – um diese Chancen zu verwirklichen. Das ist für mich auch Kreativität und meines Erachtens für Kultur- und Kreativschaffende heutzutage wichtiger denn je.

Prof. Dr. Elmar D. Konrad (geb. 1967) hat eine fachübergreifende Gründungsprofessur an der Hochschule Mainz inne. Dort leitet er seit September 2010 das iuh – Institut für unternehmerisches Handeln der Hochschule Mainz. Er studierte an der Universität Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen sowie angewandte Kulturwissenschaft. Sein Forschungsschwerpunkt ist Cultural Entrepreneurship und Erfolgsfaktoren in den Creative Industries. Bereits in seiner Dissertation verband er die Bereiche Unternehmertum und Kulturarbeit und promovierte hierzu im Jahr 2000. Herr Konrad ist Mitherausgeber der Edition Kreativwirtschaft im Kohlhammer-Verlag Stuttgart und leitet zudem den Arbeitskreis Cultural Entrepreneurship im Förderkreis Gründungsforschung (FGF e.V.).

http://www.iuh.hs-mainz.de/