»Kreativschaffende sind vor allem Andersdenker« Matthias Tinnemeier

Wir gehen auf Stimmenfang – Im Rahmen der Interviewreihe Stimmen wollen wir Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft zu Wort kommen lassen. Ihre Statements beschreiben, hinterfragen und inspirieren. Als nächstes unterhalten wir uns mit Matthias Tinnemeier (Vorstand der Wirtschaftsjunioren Saarland).

Was kann die traditionelle Wirtschaft von der Kultur- und Kreativwirtschaft lernen? Was sind ihre Kernkompetenzen?

Kreativschaffende sind vor allem Andersdenker. Sie sind gewohnt aus dem Nichts eine Vielzahl von Ideen zu beliebigen Problemstellungen zu entwickeln, ohne sich dabei von klassischen Mustern hemmen zu lassen. Sie haben die Freiheit und das Know-How sich Denk- und Arbeitsprozessen zu bedienen, die in klassisch aufgestellten Unternehmen nicht üblich sind und schaffen so neue Werte, die ohne ihre Beteiligung nicht denkbar wären.

Welche Bedeutung hat die Kultur- und Kreativwirtschaft fürs Saarland?

Die Kultur- und Kreativwirtschaft prägt mit der Subkultur, die aus ihrer bloßen Existenz entsteht, ebenso wie mit den Ergebnissen ihrer Arbeit zwei der wichtigsten Standortfaktoren unserer Zeit. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sind wir mehr denn je gefordert junge Menschen für unsere Region zu begeistern – ganz egal, ob es darum geht junge Talente zu halten oder Neusaarländer zu gewinnen. Ein wesentlicher Aspekt besteht hierbei in der Ansiedlung neuer und innovativer Arbeitgeber. Im Wettbewerb zu angrenzenden Regionen oder Metropolen müssen wir daher mit allem punkten, was uns auszeichnet – unsere lebendige Kultur- und Kreativszene ist hiervon ein integraler Bestandteil.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist kleinteilig aufgestellt, d.h. setzt sich aus zahlreichen Klein- und Kleinstunternehmen und Freiberuflern zusammen. Wie wichtig sind Netzwerke?

In einer Branche, deren finale Arbeitsergebnisse fast immer aus einem Konglomerat von Teilleistungen ihrer zwölf Teilmärkte bestehen, ist Networking das A und O! Gerade Einzel- oder Kleinunternehmen, die Spezialisten in ihrem Bereich sind, aber selten alle für die Bearbeitung eines Auftrages notwendigen Bereiche gleichermaßen abdecken können, brauchen ein starkes und zuverlässiges Partnernetzwerk.

Was bedeutet für Sie Kreativität?

Das Potential und den Mut quer zu denken und dazu zu stehen, „anders“ darin zu sein, kritisch-konstruktiv alles Bestehende zu hinterfragen und Besseres schaffen zu wollen.

 

Matthias Tinnemeier ist Geschäftsführer der SQUILD GmbH, einem Fullservice-Dienstleister für Informations- und Kommunikationstechnologie. Mit 17 Jahren hat er sich selbstständig gemacht. Zuerst als Soloselbständiger, dann im Verbund mit anderen Freelancern bis hin zur Gründung einer GmbH. Matthias Tinnemeier ist seit dem 1. Januar 2015 erster Vorsitzender und Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren Saarland.

http://www.wjd-saarland.de/