»Die Anlage zur Kreativität haben wir alle« Ralph Wiegland

Wir gehen auf Stimmenfang – Im Rahmen der Interviewreihe Stimmen wollen wir Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft zu Wort kommen lassen. Ihre Statements beschreiben, hinterfragen und inspirieren. Heute fragen wir bei Ralph Wiegland (Leiter  Business + Innocation Center ) nach.

Die technologischen Entwicklungen wirbeln die Kultur- und Kreativwirtschaft aktuell ziemlich auf. Worin sehen Sie den Haupteinfluss?

Veränderungen der Rahmenbedingungen durch technologische Neuerungen waren schon immer die Keimzelle für Innovationen. Die Kultur- bzw. die Kreativwirtschaft hat diese Veränderungen seit je her mit einer großen Sensibilität wahr- und aufgenommen.

Die Zukunft Europas ist vom digitalen Wandel geprägt, der gerade im Begriff ist, unsere gesamte Wirtschaft und Gesellschaft zu durchdringen. Innovation, die in der Vergangenheit weitestgehend als ein Aspekt der Technologie galt, durchdringt heute zunehmend auch andere Bereiche, wie Ästhetik, Funktionsweisen und Inhalte. Die Kreativindustrie, als zentraler Bestandteil der Digitalwirtschaft, bringt neue Nutzungsmöglichkeiten für Technologie hervor und passt sich den sich ändernden Verhaltensweisen und Erwartungen der Verbraucher an. 

Was sind die Kernkompetenzen der Kultur- und Kreativwirtschaft? 

Die Digitalisierung hält in die Kreativwirtschaft vielfältig Einzug. Ebenso wie heute  kreative Schaffensprozesse selbst oftmals bereits digitalisiert sind, hat die Kreativwirtschaft neue Geschäftsmodelle identifiziert, die hochwertige Content- und Kommunikationstechnologien einsetzen, sowohl innerhalb von Unternehmen als auch in den Leistungen, die sie bereitstellen. Dies kann Vorbild für viele Industrien sein. Aber auch die enge Verknüpfung der anderen Wirtschaftsbereiche mit  der Kreativwirtschaft ist entscheidend und kann sich zu einem  Schlüsselfaktor für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Europa etablieren.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist kleinteilig aufgestellt, d.h. setzt sich aus zahlreichen Klein- und Kleinstunternehmen und Freiberuflern zusammen. Wie wichtig sind Netzwerke?

Die Kreativwirtschaft zeichnet sich neben der Kleinteiligkeit auch durch die hohe Gründungsdynamik aus. Gerade in dieser Situation  spielen Netzwerke und Plattformen eine wichtige Rolle um miteinander schneller und zielorientierter ins Gespräch zu kommen. Die gegenseitige Unterstützung und Hilfestellung im Netzwerk kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Neben dem richtigen „Riecher“ spielt manchmal auch die Fähigkeit schnell zu sein und die Leistungsfähigkeit des Netzwerkes beim skalieren des Wachstums eine zentrale Rolle.

Was bedeutet für Sie Kreativität?

Kreativität ist die schöpferische Fähigkeit, Neues zu erschaffen, das in irgendeiner Art und Weise Nutzen oder Sinn hat – also tatsächlich zu kreieren oder auch nur zu erdenken. Kreativität ist  dabei  nichts unfassbar Schwieriges oder Geheimnisvolles – jeder, der denken kann, ist auch fähig, Ideen zu haben: Die Anlage zur Kreativität haben wir alle.

 

Prof. Dr. Ralph Wiegland, Jahrgang 1964, studierte an der Technischen Universität Darmstadt Wirtschaftsingenieurwesen. Danach promovierte er im Bereich Expertensysteme mit Auszeichnung. Nach fünf Jahren Forschung folgte der Wechsel in der Wirtschaft. Seit Mai 2002 leitet er das Business + Innovation Center in Kaiserslautern. Seine Arbeitsgebiete liegen neben der Gründungsberatung und -betreuung in der allgemeinen Managementberatung und -unterstützung sowie der Betriebsorganisation und Strategieberatung. Ab 2010 ist er als Professor an der Hochschule Kaiserslautern tätig.

http://www.bic-kl.de