»…innovative Impulse für die Gesamtwirtschaft« Eveline Lemke

Wir gehen auf Stimmenfang – Im Rahmen der Interviewreihe Stimmen wollen wir Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft zu Wort kommen lassen. Ihre Statements beschreiben, hinterfragen und inspirieren. Heute steht uns Eveline Lemke (Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung des Landes Rheinland-Pfalz) Rede und Antwort.

Liebe Frau Ministerin, im gegenwärtigen Wirtschaftsdiskurs ist der Begriff Kultur- und Kreativwirtschaft von zentraler Bedeutung. Was verbinden Sie mit ihm?

Zunächst einmal die Definition der Wirtschaftsministerkonferenzen: Gemeint sind  die erwerbswirtschaftlich orientierten Akteure aus den 11 Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft. Diese Branche hat in Rheinland-Pfalz eine erhebliche Wirtschaftskraft und erwirtschaftet pro Jahr rund 4 Milliarden Euro Umsatz  mit gut 36.000 Menschen in über 10.000 Unternehmen. Ich verbinde mit der Kultur- und Kreativwirtschaft wertvolle Beiträge zur Beschäftigung und zur wirtschaftlichen Entwicklung, wissensintensive Dienstleistungen und insbesondere innovative Impulse für die Gesamtwirtschaft und Gesellschaft.

Worin sehen Sie zukünftige Herausforderungen der Kultur- und Kreativwirtschaft?

Gerade für Flächenländer wie Rheinland-Pfalz ist es eine große Herausforderung, eine Branche wie die Kreativwirtschaft sichtbar und spürbar zu machen. Wichtig ist eine Vernetzung, ein Austausch zwischen den Akteuren und auch mit anderen Branchen sowie mit der Wirtschaftspolitik. Bedarfe und Defizite können angesprochen werden und Effekte der Kreativwirtschaft werden sichtbar. Dies ist ein  zentrales Ziel auch des Unternehmenswettbewerbs Kreativsonar, den das Saarland und Rheinland-Pfalz gemeinsam durchführen.

Wie sehen denn für Sie die nächsten Schritte aus, um wirtschaftliche Potentiale weiter zu fördern?

Wir fördern die Vernetzung der Branche und wollen sie dabei unterstützen, sichtbarer zu werden. Grundsätzlich besteht ein enormer Bedarf nach Beratung und nach der Stärkung der unternehmerischen Basis. Deshalb ist ein Coaching für die Gewinnerunternehmen auch ein zentrales Element in unserem Wettbewerb.

Was bedeutet für Sie Kreativität?

Kreativität ist für mich immer die Bereitschaft Neues zu wagen, keine Angst vorm Scheitern zu haben und interdisziplinär zu denken und zu handeln. Alles Aspekte und Tugenden, die generell dem Unternehmertum gut zu Gesicht stehen und wo sich gerade in der Kreativwirtschaft beeindruckende Beispiele finden.

 

Eveline Lemke wurde 1964 in Hamburg geboren. Sie ist die erste grüne Wirtschaftsministerin in einem Flächenland. Die gelernte Kauffrau, die in der Recyclingbranche groß geworden ist, erweiterte in der Familienpause ihr Wissen durch das Studium von Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie durch Studien des Umweltsystemmanagements. 2011 führte sie Bündnis 90/DIE GRÜNEN als Landesvorstandssprecherin wieder zurück in den Landtag. In ihren Arbeitsbereich gehört auch die Umsetzung des ambitionierten Ziels der Koalition, die Energiewende in Rheinland-Pfalz bis 2030 auf den Weg zu bringen.