Jens Buchner: »Die Freude am eigenen Produkt«

Dabei sein ist alles! – oder doch nicht? In unserer Interviewreihe Stimmen, haben mit Gewinnern des Kreativsonar 2015 über ihre Erfahrungen, ihre Motivitation und – natürlich – Kreativität gesprochen.


Lieber Jens, die Stadtgeschichten, die du entwickelst, erfordern viel Neugier, Kreativität und Freigeist. Gleichzeitig leitest du ein Unternehmen und musst vieles organisieren. Wie meistert man als Kreativschaffender diesen Spagat?
Ja, das ist die Meisterleistung. Vielleicht bin ich da noch Geselle. Also noch ausbaufähig, talentiert … Ich sag es mal gerade für den Moment: Die neuen Flyer sind produziert. Es gilt, eine Tour festzulegen, um sie auszuliefern. Eigentlich war gestern bereits die Umsatzsteuervoranmeldung fällig. Mein Lasten-E-Bike braucht eine neue Werbebeschriftung. Pressemitteilungen und Infos für die Veranstaltungskalender müssen geschrieben werden. Aber am allerwichtigsten: Der dritte Moselkrimi (die Urmutter aller Moselkrimi-Stadtführungen) will verfasst werden. Dafür sind alle Tische in unserem Haushalt mittlerweile mit Zetteln, Notizen und Skizzen meterweise belegt. Irgendwo darunter müssen sich auch die Kontoauszüge befinden. Ah, jetzt hab ich die Lösung: Einfach die „Farben der Angst“ schreiben, dann klappt’s bestimmt bald locker mit der Steuer …

Du bist einer der Gewinner des Kreativsonar 2015. Wie hast du den Wettbewerb erlebt und welche Erfahrungen konntest du in diesem Rahmen oder darüber hinaus sammeln?
Es war wie alles seit der Existenzgründung Anfang 2013 eine ganze Menge Arbeit. Etliche Male hunderte Kilometer fahren, übernachten. Die Zeit, das Geld, die Kraft.Und dann eben auch das viele Andere, das dies alles erst möglich macht. Die Lust, die Freude, der Spaß, die Freundschaft – ja: die Liebe. Die Lust an einer Competition. Reinzutreten in die Arena der Juroren und anzutreten für die eigene Idee. Die Freude am eigenen Produkt, es anderen Menschen zu präsentieren. Der Spaß daran, am Ende Gewinner zu sein. Aufmerksamkeit zu spüren. Und mit dem Gefühl nach Hause zu fahren, dass andere sich hineingedacht, mitgefühlt haben – sich vielleicht sogar berühren ließen. Die Möglichkeit auf Freunde und Freundinnen zu treffen. Verbunden in der Idee des freien Schaffens. Ach so, das Ganze beschreibt für mich so etwas wie Liebe – ohne die geht gar nichts …

Als Kreativschaffender lebt man von frischen Ideen und neuen Inspirationen. Wie fütterst du deine Kreativität?
Eine sehr interessante Frage, danke dafür. Ja, das ist mein Leben. Ich richte es aus auf neue Ideen, Erfahrungen, Wege, Versuche, Umwege, Reisen. So weit ich das mit meinen Mitteln hinbekomme. Konkret: Anfang des Jahres war ich ein paar Tage in Vilnius (Litauen). Minus 20 Grad und eine andere Welt brachten neue Gefühlslagen hervor, ließen Vergangenes in neuem Licht erscheinen. Fünf Tage in der Kälte auf sich allein gestellt – vieles stellt sich plötzlich anders dar. Was noch? Die Musik ist neu in meinem Leben. Ich absolviere gerade eine Gesangsausbildung. So bekomme ich Unterricht im Notenlesen und bilde meine Stimme. Das Erste ist für den neuen Krimi wichtig, das zweite kann ich als Straßenkünstler bei den Führungen gut gebrauchen. Ach so, übermorgen geht’s nach 25 Jahren wieder zur Uni. Die Fächer: Theaterwissenschaft und Deutsch als Fremdsprache …


Stadtgeschichten sind doch etwas sehr individuelles, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Nach einigen Büchern zu einer Stadt gerät man dann irgendwann auch an seine Grenze. Wie kann man mit einer solchen Dienstleistung, bzw. einem solchen Produkt, wachsen?

Treffer! Drei Moselkrimis samt Stadtführer waren von Anfang an der Plan. Alles in einer Person: Autor, Verleger, Krimiführer. Ab dann wollte ich das Konzept auf andere Orte entlang der Mosel übertragen. Dazu hätte ich nach Experten für Lokalgeschichte und Schreibtalenten aus der Region gesucht. Um mit ihnen im Stadtgeschichten Verlag neue Moselkrimi-Stadtführer herauszubringen. Im Laufe der bei Kreativsonar gewonnenen Workshops erarbeiteten wir viel Neues in puncto Geschäftsmodell. Das kam dabei heraus: Der Stadtgeschichten Verlag bietet einer Stadt oder einem Unternehmen die eigene Geschichte als erleb- und bespielbaren Krimi samt Führung an: 1.000 Stadtkrimis (auch als E- oder Hörbuch), 1.000 Führungen als App plus Sponsoren-Akquise-Tool. Als Image-Politur samt Gewinnchance am Schluss. Oh je, die Flyer müssen ja auch noch raus! …

Jens Buchner mit Mops FotoMit seinen Stadtgeschichten gewann Jens Buchner das Kreativsonar 2015. Der Autor, Verleger und Gästeführer verbindet Krimis mit Stadtführungen in der Moselgegend zu interaktiven Geschichten.

www.moselkrimi-stadtfuehrungen.de