»…ein harter Standortfaktor« Gabriele Langendorf

Wir gehen auf Stimmenfang – Im Rahmen der Interviewreihe Stimmen wollen wir Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft zu Wort kommen lassen. Ihre Statements beschreiben, hinterfragen und inspirieren. Heute steht Gabriele Langendorf (Rektorin der HBKsaar) Rede und Antwort.

Liebe Frau Langendorf , Sie sind selbst Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft. Was verbinden Sie mit dem Begriff?
Ich komme aus einem künstlerischem Umfeld und stehe dem relativ jungen Begriff eher skeptisch gegenüber, weil eine freie, hochkomplexe Szene plötzlich institutionalisiert wurde. Aber ich sehe es positiv, dass die kulturellen und kreativen Bereiche seitens der Wirtschaft und der Politik ernster genommen werden, zumal die erwirtschafteten Umsätze im Vergleich zu anderen Branchen nicht unerheblich sind.

Was kann die traditionelle Wirtschaft von der Kultur- und Kreativwirtschaft lernen?
Eine lebendige Kultur- und Kreativlandschaft wird in der Regel mit hohem persönlichen und ideellen Einsatz von Kulturschaffenden erreicht. Gewinnorientiertes Arbeiten drückt sich eben nicht nur in Börsenkursen aus. Ich würde mir wünschen, dass mehr dieser Werte in der traditionellen Wirtschaft zu finden sind. Kultur ist aber auch nicht umsonst zu haben. Eine Begegnung auf Augenhöhe wäre die Idealvoraussetzung.

Welche Bedeutung hat die Kultur- und Kreativwirtschaft fürs Saarland?
Kultur- und Kreativwirtschaft ist in meinen Augen kein weicher, sondern ein harter Standortfaktor. Kein junger Saarländer bleibt und keine Fachkraft kommt von außerhalb in dieses Bundesland, wenn es kein funktionierendes Kulturleben gibt. Das Saarland sollte die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft nach dem Wegfall des Bergbaus als große Chance zur langfristigen Steigerung seiner Attraktivität sehen.

Was bedeutet für Sie Kreativität?
Kreativität beschränkt sich nicht nur auf künstlerische- und gestalterische Berufe. Kreativität bedeutet für mich eine schöpferische Form des Denkens und Handelns, um Neues zu erschaffen, das in irgendeiner Art und Weise Nutzen oder Sinn hat. Kreativ kann jeder sein, es fängt im Alltag an und kann sich auf alle Lebensbereiche und Berufsfelder ausdehnen.

Gabriele Langendorf wurde 1961 in Rheinfelden, Baden geboren. Sie absolvierte ein Studium der Malerei an der Hochschule für Gestaltung in Basel sowie an der staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, in Frankfurt am Main. Sie beteiligte sich an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Messen im In- und Ausland und wurde mit vielfältigen Stipendien (u.a. Arbeitsstipendium des Kunstfonds e.V. Bonn, Reisestipendium der hessischen Kulturstiftung, Stipendium Akademie Schloss Solitude Stuttgart) ausgezeichnet. Ihre Werke sind heute Teil von öffentlichen und privaten Sammlungen.  Seit 2006 hat Gabriele Langendorf eine Professur für Malerei und Zeichnung für Bildende Künste an der HBKsaar inne, an der sie ab 2013 auch die leitende Funktion als Rektorin übernommen hat. 

www.gabrielelangendorf.de